ÜBER DEN GARTEN

Wie funktioniert der Interkulturelle Garten?
Kleine Gartengrundstücke werden für den Gemüse- und Blumenanbau an Interessierte aus dem Stadtteil und darüber hinaus weitergegeben. Durch die vielkulturelle Gesellschaftsstruktur der Stadt mischen sich Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturen mit generationenübergreifendem Wissen. Die Beete, die von den Parzellengärtnern nach eigenen Vorstellungen bearbeitet werden, sind weder auf eine Form, auf Anbauweisen oder Pflanzensorten festgelegt. Einzig verbindende Elemente sind das Prinzip des ökologischen Landbaus und die Mitwirkung an Gemeinschaftsaktionen zur Gartengestaltung.

 

Ort der Begegnung
Der erste Interkulturelle Garten in Augsburg ist ein Ort der Begegnung und für alle Interessierte offen. Das Bild des „Wurzelschlagens“ in der Fremde hat für viele Menschen in Augsburg eine reale Bedeutung. Augsburg ist eine Zuwandererstadt, mehr als 40 % der Bevölkerung kann auf eine Migrationsgeschichte zurückblicken. Einbindung und Austausch finden bei der Gartenarbeit, bei informativen Workshops und bei gemeinsamen Feiern statt.

 

GEMEINSAMKEITEN SCHAFFEN

In gemeinsamer Arbeit werden Kräuterbeete angelegt, die auch von Schülern der angrenzenden Schulen mitbearbeitet werden. Naturholzzaun und Naturholzhecken sind in Arbeit und bieten Schutz vor Wind und unerwünschten Eindringlingen, wie leinenlosen Hunden. Mittlerweile bepflanzen mehr als 70 Familien ihre Beete, kompostieren unter fachmännischer Anleitung, diskutieren über mögliche Lösungen für einen sinnvollen Umgang mit dem Wasser oder pflanzen neue Setzlinge für eine Streuobstwiese.

Als Naturerfahrungsraum bietet der Garten Kindern und Jugendlichen aus der städtischen Nachbarschaft die Möglichkeit, Natur direkt zu erleben. Der Garten bietet genügend Platz zum Austoben und dabei die Natur spielerisch kennen zu lernen. Vorträge und Workshops, von Experten durchgeführt, zu Themen wie FairTrade, Saatgutherstellung und -austausch, Herstellen natürlicher Jauchen und Brühen, gesunde Ernährung, Bienenhaltung und Selbstversorgung in der Stadt, bilden die theoretische Basis dafür.

Im Garten finden sich unterschiedliche Menschen und treiben gemeinsam ein Projekt voran. Für den Erfolg spricht der gemeinsame Wille, für die Erhaltung eines Gartens zu arbeiten.

Die Gründung unseres Vereins im Oktober 2012 soll die Idee auch für die Zukunft festigen.

 

Das Glück ein Grundstück zu finden

Nach der Rückkehr der amerikanischen Soldaten in ihre Heimat standen viele Gebäude leer.

Weite Teile des Kasernengeländes verwilderten im Augsburger Westen. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, einen Interkulturellen Garten „anzupflanzen“, kamen die Projektinitiatoren von der gfi Augsburg mit Peter Bommas und Thomas Lindner, den Machern des Kulturpark West ins Gespräch. Dieses Gespräch reichte aus, um sie von dieser Idee zu überzeugen: Die Arbeit begann.

 

Stadtökologie

Der Augsburger Garten nutzt vorhandenen städtischen Freiraum und hilft so mit, örtliche Artenvielfalt zu pflanzen. So wird ein besseres Mikroklima im Stadtteil angeregt. Umweltschutz wird hier „ohne Zwang, aber zwangsläufig“ betrieben und dabei Wissen über biologische Kreisläufe in den Alltag der Menschen hinein getragen.

Mit großem Interesse werden die Insektenhotels und die Bienenstöcke beobachtet. Das Säen, Ernten und Kompostieren ohne Chemie sensibilisiert die Gärtner für weitere Umweltthemen. Die hier erprobten Methoden setzen Impulse für den sensiblen Umgang mit unseren Ressourcen.

 

DIE IDEE

Vor über 30 Jahren begann in New York City die Bewegung der Community Gardens: Brachflächen in benachteiligten und ausgegrenzten Stadtteilen sollten so zu nutzbaren Gartenflächen umgestaltet werden.

Es begann eine weltweite Erfolgsgeschichte. In Deutschland entstanden die ersten Interkulturellen Gärten vor ca. 10 Jahren. Im August 2009 konnte in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Stadt Augsburg und den kreativen Bewohnern des Kulturpark West diese Idee erstmals in Augsburg umgesetzt werden.

Ein herzliches Dankeschön gilt zuallererst den Akteuren des Interkulturellen Gartens, die trotz vieler Hürden immer wieder bereit waren, aktiv mitzuarbeiten, Konflikte jedweder Art aus dem Weg zu räumen und somit in gemeinsamer Arbeit den Garten immer mehr zum Blühen brachten.

Stellvertretend für die vielen Helfer und Gärtner möchten wir Herrn Patrizio Mora danken, der das Grundstück als Erster in Kleinstarbeit gerodet, von Müll und Unrat gesäubert hat und so die Basis für den heutigen Garten geschaffen hat.